Do you accept me?

Am vergangenen Samstag haben wir die letzte Aktion im öffentlichen Raum im Rahmen dieses Projektes realisiert. Ein kleines akustisches Konzert in einer Bootsrampe zur Elbe. Die Elbe (oder ein anderer Ort draußen mit Wasser) war der meist gewünschte Veranstaltungsort und viele wünschten sich Musik zum Entspannen.

Am vergangenen Freitag haben wir den Wagen das letzte Mal durch die Straßen gezogen und Kaffee ausgegeben und dabei Ideen, Wünsche und Meinungen eingeholt. Wir haben uns wieder mehr auf die Gespräche an sich konzentriert, als auf deren Verwertung.Viele fragten, bevor sie an den Wagen herantraten, was wir da verkaufen oder wie viel ein Kaffee kostet.

Am vergangenen Donnerstag haben wir den Wagen an verschiedene Orte in der Stadt gebracht. Wir haben keinen Kaffee oder Tee ausgegeben und waren selbst nicht am Wagen. Stattdessen hat der Wagen mit seinem selbstgebauten, etwas schiefen Aussehen und mit seiner Möglichkeit, sich über ein Leuchtschild sprachlich zu äußern, mit seiner jeweiligen Umwelt kommuniziert. Der Wagen als Ort, an dem wir verschiedene Stimmen der Stadt eingesogen haben, wurde zu einem eigenwillig gewordenen Repräsentanten. Gewünschte Sätze, Themen oder Gesprächsfetzen warf er jetzt an anderen Orten zurück in den öffentlichen Raum oder lernte von seiner Umgebung Sprechen durch Nachplappern.
Das größte Publikum erreichte der Wagen mit dem Wort „Krise“ und der Funktion „White-inverse twinkle“, die das Wort stroboskopisch blinken ließ.

Wir waren in zwei Wochen direkt oder indirekt mit ungefähr 250 Menschen in kontaktlosem Kontakt. Wir haben versucht, Fragen zu Veranstaltungen und auch expliziter zum Theater zu stellen. Mit manchen haben wir bei einem Kaffee gesprochen, viele haben unsere Fragen schriftlich im Buch beantwortet. Nach zwei Wochen merken wir, dass die Geschehnisse und die Gespräche am Wagen selbst das Interessante sind, viel mehr als der „Datensatz“, der daraus resultieren sollte. Der Wagen ist in zwei Wochen zu einen wandlungsfähigem, polarisierenden Protagonisten geworden. So wurde er im Alaunpark mit seiner Holzoptik sofort als Hipster akzeptiert. Am Elbepark ließ er binnen Sekunden erste Tauschgeschäfte entstehen – Döner gegen Kaffee. Und als wir ihn durch die Straßen zogen – in „Krisen“-Zeiten – wurden wir häufig mit der Frage konfrontiert, was es am Wagen zu kaufen gibt, als wären wir Mutter Courage und ihre Kinder. Dabei verkauften wir nichts. Auf dem Marktplatz in Hellerau erzeugte der Wagen als Störenfried beinahe ein öffentliches Ärgernis: „Was ist das für ein schreckliches Teil. Es muss entfernt werden“, sagte eine sichtlich verstörte Frau. Viel Aufmerksamkeit zog er auch auf Parkplätzen auf sich – als handgemachter, rauer, schräger Gegenstand war er unter den glatten SUVs eine archaische Einzigartigkeit.

250 Menschen sind nicht ausreichend für eine repräsentative statistische Auswertung. 250 direkte und indirekte Gespräche sind aber genug, um einige Geschichten und Erfahrungen zu teilen und mit Fragen weiterzukommen, die sich für uns Fragende ergeben haben:
Wie geht man mit einem solchen „Datensatz“ um? Und für wen soll hier etwas draus gezogen werden? Für die Theater- und Kunstschaffenden oder für „das“ Publikum und wer ist denn nun „das“ Publikum?
So divers die Antworten auch sind, die wir erhalten haben – in manchen Bereichen zeigt sich eine Tendenz. Etwa der Wunsch, Veranstaltungen und Theaterabende zu schaffen, die „für alle zugänglich“ und „verständlich“ sind, die nicht „elitär“ sind. Gleichzeitig wünschten sich viele, „überrascht“ und „gefordert“ zu werden. Unsere Vermutung ist, dass für viele Menschen die Auseinandersetzung oder Konfrontation mit schwierigen, fordernden Themen schon interessant ist – dass die Form und Zugänglichkeit des Theaters in seiner jetzigen Form allerdings oft im Weg steht. Es müsste bei der Vermittlung und an der kontextuellen Platzierung angesetzt werden, um dieses Problem zu lösen. Auf die Frage, „Was glaubst du, warum interessieren sich so wenig Menschen für Theater?“ antwortete eine Person: „Vielleicht weil eine Person fehlt, die einem zeigt, was schön und interessant daran sein kann.“

Für uns geht es jetzt an die Auswertung.
Mehr gibt es am 13. September in Hellerau. Wir freuen uns auf euch! Kommt vorbei!

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