DER EINDRINGLING

Schauspiel von Maurice Maeterlinck // Premiere am 01. Juli 2017 // im Marstall des Residenztheaters München

Regie: Hannes Köpke // Bühne und Kostüm: Hannah Ebenau, Julius Zimmermann // Video: Julius Zimmermann // Musik: Jasmina Rezig // Dramaturgie: Thorben Meißner // mit: Götz Argus, Arthur Klemt, Almut Kohnle, Wolfram Rupperti, Valery Tscheplanowa

Während die Mutter stirbt, sitzen der Vater, der Großvater, der Oheim und die drei Töchter um den Tisch und trauen sich nicht, in ihr Zimmer zu gehen. Der Arzt hat gesagt, sie werde gesund und solle sich erholen. Der blinde Großvater spürt als einziger deutlich den Tod in ihr Zimmer kriechen. Um das Publikum in seine Situation zu versetzen, zeigen wir den Flur zwischen dem Zimmer, in dem die Mutter stirbt und dem Tisch an dem die Familie sitzt. Dort wischt die Magd den Boden, immer schneller werdend im Takt einer Uhr, die immer langsamer tickt. Der nahende Tod wird übersetzt in leichte Veränderungen der Haptik der Ziegelrückwand (unscharf werden; sehr leicht im Wind wehen etc.), die zunächst nur unterschwellig spürbar sind, dann immer deutlicher werden.

Weitere Informationen unter: www.residenztheater.de

[…] Und dann kommt sie doch noch, die Erschütterung des Dramas, ja die des Theaters gleich mit. Sie steckt zwar schon in Maurice Maeterlincks Stück „Der Eindringling“, Hannes Köpke dünnt den symbolistischen Einakter von 1890 aber fast zum Hörspiel aus. Die Schauspieler bleiben unter der Zuschauertribüne verborgen, während Valery Tscheplanowa als Magd ausdauernd den Bühnenboden wischt. Diese radikale Reduktion fokussiert auf das unermüdliche Anreden gegen den Tod. Ein nimmer enden wollendes Ringen, sodass man die Schauspieler am Ende doch noch zu Gesicht bekommt: als von Schrammen übersäte Ringkämpfer. Köpkes Inszenierung ist der experimentellste und forderndste Beitrag bei einem Festival, das uns zeigt: wir sollten ihn ernst nehmen, den Eindringling […]

(Bayerischer Rundfunk)


[…] Geradezu radikal ist Hannes Köpke, der sich das namensgebende Stück „Der Eindringling“ (von Maurice Maeterlinck) ausgesucht hat und damit die experimentellste Produktion abliefert. Köpke verzichtet auf beinahe jedes sichtbare Bühnenspiel – bis auf Valery Tscheplanowa, die als Magd zum Ticken einer Uhr so rhythmisch und vorwurfsvoll den Boden wischt, wie wohl nur sie einen Boden wischen kann. Ein blinder Großvater (Götz Argus) erwartet derweil mit seiner Familie die Ankunft seiner Tochter, unsichtbar unter der Zuschauertribüne hervor sprechend. Ein anspruchsvolles, etwas rätselhaftes Hörspiel.

(Süddeutsche Zeitung)

© Julius Zimmermann
© Nicole Wytyczak