ZAPFEN FLECHTEN HOLZ - EIN VOLKSLIED

Weitere Informationen und Termine unter: vorbrenner.org und brux.at

29. JUNI 2019

28. JUNI 2019

TE im BRUX / Freies Theater Innsbruck

27. JUNI 2019

26. JUNI 2019

25. JUNI 2019

Ich will die Kuh sehen ohne mir einen Begriff von ihr zu machen.

24. JUNI 2019

„Blauer Rauch: Geschichten“ von Marlene Schwarz

Mein Vater Josef Rosendorfer war der zweite Sohn seiner Eltern, Jahrgang 1910. Er wurde Bankkaufmann und arbeitete bei der Sparkasse Bozen. 1939 optierte er für Deutschland, denn er hätte einen italienischen Namen annehmen müssen, um in seiner Heimat bleiben zu können, und was derlei Repressalien von Staatsseite noch waren, und das kam für ihn, der sich offenbar durch und durch als Deutscher fühlte, nicht in Frage. Das darf einen auch nicht wundern, wenn man von der Unterdrückung der Südtiroler nach dem Ersten Weltkrieg weiß, die ihre Lieder nicht mehr singen durften, ihre Tracht nicht tragen–wenn sie mit weißen Kniestrümpfen auf die Straße gingen, strichen italienische Nationalisten diese mit Teer an–, ihre Sprache nicht sprechen.
Nun ist es hier vielleicht notwendig anzumerken, dass viele Südtiroler für Deutschland optierten. In der alten Heimat waren die Optanten wenig angesehen, aber es ist doch irgendwie einleuchtend, dass sich die Auslandsdeutschen, wozu die Südtiroler wohl neben den Siebenbürger Sachsen, den Donauschwaben, den Sudetendeutschen und vielen anderen Völkerschaften mehr plötzlich zählten, sich besonders deutsch fühlten. Die „Dableiber“, also die Südtiroler, die sich von Heimat und Besitz nicht trennen wollten, was auch durchaus verständlich ist, konnten die Optanten nicht begreifen, obwohl sie sicher ebenso schwer um die Entscheidung rangen, ob sie dableiben oder auswandern sollten.

23. JUNI 2019

Heute gibt es ein Festessen.

22. JUNI 2019

Wer ist Raul?

Bildquelle: Sonnwendfeuer an der Nördlinger Hütte bei Seefeld in Tirol

21. JUNI 2019

Quelle: Fronleichnamsprozession in Patsch 2019

20. JUNI 2019

Quelle: Fronleichnamsprozession in Patsch 2019

19. JUNI 2019

Videoquelle: Touristeninformation Seefeld; Audioquelle: Interview mit Simone Egger

18. JUNI 2019

17. JUNI 2019

Das Gewitter hängt.
Wirklich sehr gelb.
Julius ist im Wald.
Rechtsrum vom Berg.
Dort ist es grün.

16. JUNI 2019

Sonntag ist Ruhetag.

15. JUNI 2019

Die Greuel des Kampfes im Jahr 1809

Zeitgenössische Gouache einer*s unbekannten Künstlerin*s

Darstellung eines Tirolers, der – mit dem Porträt des Kaisers in Händen – mit fanatischem Blick der bayerischen Übermacht entgegntritt.

Bild- und Textquelle: Zeughaus Innsbruck und Fritzens

14. JUNI 2019

Phänomen Wiesntracht // Identitätspraxen einer urbanen Gesellschaft. (Auszug)

Simone Egger

Widmete sich die volkskundliche Forschung zunächst mit Begeisterung den Bauern und ihrem allzu herrlichen Leben auf dem Land, interessierte gerade die dörfliche Idylle als vermeintliches Gegenstück zur ungeliebten Stadt; gewahrte Traditionen vermutete man objektorientiert in Gestalt der Bekleidung und „Trachten, insbesondere Festtagstrachten, wurden in ihrem Bestand aufgenommen, die äußeren Merkmale untersucht und beschrieben.“ Dem Wissen um den Wandel zum Trotz, wird, mit der räumlichen, zeitlichen und sozialen Festschreibung schon im 17. und 18. Jahrhundert, deutlich, „[…] daß nicht die Tracht, sondern die Vorstellung von Tracht in den Köpfen der Gelehrten historisch ist […];“ auch in folgenden Jahrhunderten wurden Trachtenlandschaften beschrieben, fixiert und damit gemacht. „Der Mode [aber] wurden die Eigenschaften ‚Kurzlebigkeit’ und ‚Willkür’ zugeordnet […].“

13. JUNI 2019

„Agentieller Realismus.“ von Karen Barad

Die Physik sagt uns, dass Kanten und Grenzen weder ontologisch noch visuell bestimmt sind.

12. JUNI 2019

11. JUNI 2019

Auf dem Weg in die Mehrheitsdiktatur? (Auszug)

Ivan Krastev

In den ersten Jahrzehnten nach 1989 sorgte die Ausbreitung freier Wahlen dafür, dass diverse (ethnische, religiöse, sexuelle) Minderheiten Eingang in das öffentliche Leben fanden. Heute dienen Wahlen der Ermächtigung von Mehrheiten. Bedrohte Mehrheiten bilden in der Gegenwart die stärkste Kraft in der europäischen Politik. Sie befürchten, Ausländer könnten ihr Land übernehmen und ihren Lebensstil bedrohen, und sie sind überzeugt, dahinter stecke eine Verschwörung kosmopolitisch gesinnter Eliten und tribalistisch denkender Immigranten. Der Populismus dieser Mehrheiten ist nicht das Produkt eines romantischen Nationalismus, wie dies vor einem Jahrhundert der Fall gewesen sein mag. Er wird vielmehr genährt von demografischen Prognosen, die Europa und den Vereinigten Staaten nicht nur eine sinkende Bedeutung in der Welt prophezeien, sondern auch einen massenhaften Zustrom von Menschen und schwere Turbulenzen aufgrund der technologischen Revolution. Angesichts der demografischen Entwicklungen sehen die Europäer eine Welt vor sich, in der ihre Kulturen sich auflösen, während die technologische Revolution ihnen eine Welt verspricht, in der ihre gegenwärtigen Arbeitsplätze verschwinden werden. […] 

Es gehört zu den Paradoxien der Globalisierung, dass die Freizügigkeit von Menschen, Kapital, Gütern und Ideen die Menschen zwar einander näher bringt, aber auch die Fähigkeit der Nationalstaaten verringert, Fremde zu integrieren. […] 

Markt und Internet haben sich als mächtige Kräfte erwiesen, die zwar die Wahlmöglichkeiten des Einzelnen erweitern, zugleich aber den sozialen Zusammenhalt westlicher Gesellschaften haben erodieren lassen, weil sowohl der Markt als auch das Internet den Hang des Einzelnen verstärken, seinen natürlichen Präferenzen zu folgen, zum Beispiel der, lieber mit Menschen seines eigenen Schlags zusammen zu sein und sich von Fremden fernzuhalten. Wir leben in einer Welt, die stärker vernetzt, aber weniger integriert ist. Die Globalisierung stellt Verbindungen her und trennt zugleich. […] 

Der ungarische Philosoph und Dissident Gáspár Miklós Tamás bemerkt, die Aufklärung, in der die Idee der Europäischen Union wurzelt, verlange den Weltbürger. Aber wenn das möglich sein solle, müsste eines von zwei Dingen geschehen: Entweder müssten arme und nicht funktionierende Staaten zu Ländern werden, in denen zu leben sich lohnt, oder Europa müsste seine Grenzen für alle öffnen. […] 

Ökonom Dani Rodrik warnte vor einigen Jahren, die Staaten hätten im Blick auf den Umgang mit den Spannungen zwischen nationaler Demokratie und globalem Markt drei Möglichkeiten: Sie könnten die Demokratie einschränken, um auf internationalen Märkten wettbewerbsfähig zu sein. Sie könnten die Globalisierung begrenzen in der Hoffnung, im Inland demokratische Legitimation herzustellen. Oder sie könnten die Demokratie auf Kosten nationaler Souveränität globalisieren.

10. JUNI 2019

09. JUNI 2019

Sonntag ist Ruhetag.

08. JUNI 2019

07. JUNI 2019

Zur Volksmusik in Tirol während der NS-Zeit (Auszug)

Thomas Nußbaumer

„Echte“ Tiroler Volkslieder sind laut Ploner – und hier folgt er den Definitionen Franz Friedrich Kohls von 1899 – Lieder „heiterer Art“ mit „tänzerisch-beschwingter Weise“. Im „echten“ Tiroler Lied finde man nie „eine weltschmerzliche oder gar sentimentale Wendung oder Betrachtung“, das „echte“ Tiroler Lied sei „fast immer lebensbejahend, kämpferisch, daseinsfroh, ja geradezu daseinsüberschwenglich“. Vehement wendet sich Ploner gegen die in der Bevölkerung auch zu seiner Zeit populären sentimentalen Lieder – sie seien „unecht“. „Alle diese tränendrüsenbewegenden Lieder“, behauptet er, „sind die Erzeugnisse entarteter Seelenhaltung und haben mit den echten Liedern unseres Alpenvolkes nur […] Äußerlichkeiten gemein.“ Die einzige Möglichkeit, diese Lieder zu bekämpfen, liege in der nationalsozialistischen Kulturarbeit.

06. JUNI 2019

Textquelle: „Biergarten“ von Nikolaus Dominik

05. JUNI 2019

„Literarischer Wegweiser in die Natur“ von Jürgen Goldstein

Die Eisenbahn rund um die Welt der ganzen Menschheit zugänglich zu machen bedeutet nichts anderes, als die Oberfläche des Planeten einzuebnen. Die Natur ist uns seitdem als bestimmtes Erfahrungsmoment des Lebens entrückt.

Textquelle: aus einem Innicher Heriatsvertrag von 1790, gesehen im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck

04. JUNI 2019

Textquelle: Vorwort zu „Eure Heimat ist unser Albtraum“ von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah

Die EU und die Habsburgermonarchie

Aus: „Von der Schwierigkeit und der Notwendigkeit, aus der Geschichte eine Idee zu machen“ (2014) und „Anerkennung und Haltung“ (2013) von Robert Menasse.

Die Habsburgermonarchie erscheint nun als Vorläuferin und geradezu als Modell der heutigen Europäischen Gemeinschaft. Denn es gibt eine Reihe von bemerkenswerten Ähnlichkeiten […]: Die Habsburger Monarchie war ein multiethnisches Gebilde, vielsprachig, zentral verwaltet von einem hochentwickelten Beamtenapparat im Zusammenspiel mit lokaler Autonomie, träge und oft blockiert durch seine inneren Spannungen, aber doch immer wieder zu großen, aufgeklärten Modernisierungsschritten fähig (so schaffte sie etwa die Leibeigenschaft zwanzig Jahre vor den USA ab). Sie hatte keine Nationsidee, auch nicht den Anspruch, sich zur Nation zu entwickeln, sie war bewusst ein transnationales Konstrukt, das als gemeinsamer Wirtschaftsraum mit gemeinsamer Währung prosperierte. Diese war übrigens stark und stabil trotz der großen Unterschiede in den ökonomischen Strukturen der Kronländer, weil es, anders als heute, eine gemeinsame Finanz- und Fiskalpolitik gab. Die Monarchie war religiös tolerant, Judentum und Islam waren staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften und zumindest gesetzlich nicht diskriminiert. Sogar in der k.u.k. Armee gab es Heeres-Rabbiner und Imame und eigene Gebeträume für Juden und Moslems.
[…]
Nationalstaaten verlieren, wie immer sie es auch anstellen, ihre politischen Gestaltungsmöglichkeiten, sowohl im Hinblick auf globale Entwicklungen, als auch im Hinblick auf die Gewährleistung von innerem Frieden, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit. Nationalstaaten sind historisch ein junges Phänomen, das sich schon wieder erschöpft hat. […] Sie haben, Provinzen und Kleinstaaten zum nationalen Territorium zusammenfassend, größere Binnenmärkte hergestellt, und sie haben innerhalb ihrer abgesteckten Grenzen den Bürger*innen politische Partizipationsrechte gegeben, also Demokratie eingeübt. Aber der Binnenmarkt ist weit über nationale Grenzen hinausgewachsen, die Märkte sind grenzenlos, und demokratiepolitisch gibt es in Hinblick auf unsere Lebensfragen erst recht keine abgesteckten Grenzen mehr. Die Nationalstaaten werden sterben. Das kann dereinst als die historische Rache der Habsburger*innen interpretiert werden. Die nationale Demokratie wird sterben. Denn in transnationale Prozesse kann nur eine transnationale Demokratie gestaltend eingreifen.
[…]
Die Ökonomie ist längst transnational, unsere Währung ist es, viele Politikfelder sind vergemeinschaftet, das Europäische Projekt ist ein objektiv stattfindender nachnationaler Prozess – nur die Staatspolitik und das Bewusstsein der Öffentlichkeit reagieren so, als gäbe es noch immer Nationalökonomie und nationale Interessenpolitik. Was wir heute Krise nennen, ist vielleicht das Knirschen und Knacken dieses Widerspruchs.

Tonquelle: Werbespot „Zambo Kristall“

Liste 4.6.2019

Blindschleiche
C-Falter
Butterblume
Rotfeder
Fiberklee
Karpfen
Riesenameise
Stockente
Schlüsselblume
Eidechse
Hohe Munde
Buche
Buschwindröschen
Weinbergschnecke
Rostblättrige Alpenrose

03. JUNI 2019

Es ist unerträglich heiß.

In der Kirche in Fritzens liegt anscheinend das Haupt von Johannes dem Täufer. Dort sitzt eine Frau mittleren Alters auf einer der kleinen Kirchenbänke, die so eng gebaut sind, dass man sich nur kniend setzen kann, und betet. Es scheint ihr ernst zu sein.

Ein älterer hagerer Herr, der so aussieht, als ob er viel älter aussieht, als er eigentlich ist, zeigt uns den Saal: Wieso? Wollt ihr heiraten?

Wattens.

Ich schwitze überall. Ich wider mich an. Mir kommen Menschen entgegen, die genauso warm angezogen sind wie ich. Ihnen scheint es blendend damit zu gehen.

A’s Scheune. Eine Frau öffnet. Falsche Adresse.

A’s Tür. Eine Frau öffnet. Sie ruft den A an die Tür.

Ich erschrecke mich, dass ich vergessen hab, dass ich eventuell den Dialekt nicht verstehen könnte. Ich verstehe aber das meiste von uns dreien. Immerhin bin ich ja in Bayern aufgewachsen. Hannes blickt völlig verständnislos. Aber er versucht sehr aufmerksam und höflich zu sein. Julius redet etwas lauter als sonst, aber ich glaube das merke nur ich.

Er hat die Scheune drüben geerbt, als Junge hat er dort noch Kühe gemolken. Dann wurde der Betrieb recht bald eingestellt. Hat sich nicht mehr rentiert. Er macht eine Fleischhauer-Lehre, arbeitet 15 Jahre in der Metzgerei in Wattens. Dann wechselt er zu Swarovski, wie alle. Dort gibt es doppelt so viel Geld. Aber die Arbeit ist körperlich schwerer, als die Landarbeit. Jetzt gibt es dort nicht mehr so viel Geld, auch nicht mehr so viel Arbeitsplätze.

Textquelle: „Der Planet rebelliert. Der Boden unter unseren Füßen schwindet“ von Bruno Latour